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Die Dinge leben nicht und sie sind nicht tot, sie sind aber nicht nur das unterschiedlich arrangierte Inventar unserer Lebenswelt, sondern eine der
Grundbedingungen für unsere Subjektivität: an ihnen lernen wir, sie erfahren wir, bilden Fertigkeiten an ihnen aus, verbrauchen sie, leben mit und unter ihnen. Das Wichtigste ist immer das Selbstverständlichste und das wird am wenigsten
bemerkt – nämlich erst dann, wenn es sich verändert hat, plötzlich fehlt oder unbrauchbar ist. Solche Störungen machen nachträglich bewusst, dass da etwas war, mit dem man umzugehen gewohnt war. Das Ungewohnte ist der Mangel an
Selbstverständlichem, und Ungewohntes macht irritiert und nicht selten verstimmt – paradoxerweise also ist es ein Mangel an Oberflächlichkeit, der Unbehagen hervorruft.
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Aber Irritation entsteht nicht nur durch ein plötzliches Anders-Sein der Dinge, sondern auch, wenn man sie anders als gewöhnlich betrachtet und dann
über ihre fallweise höchst uneindeutige Rolle stolpert . Diese Seite ist es, die Karin Sander interessiert. Ihre Eingriffe in gegebene Situationen, Räume, Wände, Böden, Tapeten sind scheinbar einfach, aber subtil. Sie schleift etwa
die Farbe einer gestrichenen Wand so lange, bis das geschliffene Stück zu spiegeln beginnt, bis es etwas zeigt, was sonst unsichtbar bleibt. Im Kunstmuseum Bonn hat sie mit solchen Wandstücken Situationen aus den Durchgängen zu
benachbarten Räumen in ihren eigenen Raum geholt, in der Kunsthalle Bremen hat ihr Wandstück dem von oben einfallenden Licht zu ungewohnter Präsenz verholfen,
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