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im Kunstraum Neue Kunst in Hannover haben ihre über Eck angeordneten Wandstücke den üppig grünen Park vor den Fenstern als zartes ephemeres Grün in den
Raum hineinspiegelt [...]. Karin Sander macht aufmerksam auf die spezifische Situation, in der ein Betrachter sich befindet, gibt ihm aber auch die Möglichkeit, in seiner Bewegung vor den Wandstücken das, was sie zeigen, fortwährend
perspektivisch zu verändern. Sanders Wandstücke sind Vexierbilder, die in jeder Beziehung mit dem im Raum Gegebenen arbeiten und dem Betrachter die Möglichkeit geben, etwas über den Ort, an dem er sich befindet, seine Dimensionen und
Materialität zu erfahren – übrigens auch darüber, was ein Bild ist.
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Es wäre ein ziemliches Missverständnis, das für didaktisch zu halten. Karin Sander will keine ”Sehgewohnheiten aufbrechen” oder ”Wahrnehmungsweisen
sensibilisieren” – gegen die Überforderung oder Verhunzung eines differenzierten Sehens in all der Vielfältigkeit und Schnelligkeit der optischen Sensationen des Alltags können ihre zarten Wandstücke ohnehin nicht an. Und wollen es gar
nicht. Indem sie einen merkwürdigen Zwischenbereich zwischen vorhanden und nicht-vorhanden markieren, zeigen sie, was auch sein kann, obgleich es gewöhnlich verborgen bleibt, und was hervorgebracht werden kann, indem etwas abgetragen
wird. Die Arbeiten von Karin Sander sind sämtlich Untersuchungen von Zwischenbereichen des Passageren, des Durchlässigen und damit stets des keineswegs
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geklärten Verhältnisses zwischen innen und außen. Die Passagen in den Häuserzeilen von Lódz, die nach ihrem weißen Farbauftrag wie Lichträume in
andere Welten aus den grau-grauen Fassaden herausscheinen und doch nur wie uneingelöste Versprechen in genauso graue Hinterhöfe führen, zeigen ganz sinnfällig eben als Uneingelöstes, dass Zwischenräume vorhanden sind, dass das Gegebene
nicht fest und undurchlässig ist, dass es, mit einem Wort, Passagen gibt – Passagen übrigens auch zwischen Abschnitten der polnischen Geschichte. Die Übertünchung der grauen Durchgänge mit dem strahlenden und einebnenden Weiß nimmt auch
Bezug auf jene Löschung von Geschichte, die die Etablierung neuer Verhältnisse regelmäßig mit sich bringt.
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